Warum ich gekündigt habe & Tipps um Entscheidungen zu treffen
Ich habe gekündigt. Das fühlt sich immer noch komisch an. Ich habe noch nie gekündigt, nie etwas abgebrochen, immer alles durchgezogen und „richtig“ gemacht. Warum dann jetzt?
Nach meinem Umzug von Berlin nach Köln habe ich hier die Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin angefangen. Die letzten zwei Jahre hatte ich in Berlin als Yogalehrerin gearbeitet und nebenher diesen Blog gestartet. Erst mal nur als Hobby und weil ich gerne schreibe und fotografiere. Und weil ich, inspiriert von anderen Bloggern, die mir auf meinem Weg der Selbstfindung und Heilung von Selbstzweifeln, Stress, Zyklus- und Hormonstörungen und einer nicht immer einfachen Beziehung zum Essen geholfen haben, meine Erfahrungen teilen wollte. Um so andere erreichen und inspirieren zu können. Letztendlich wollte ich zurückgeben, was mit gut getan hat. Und da viele der Blogs, die ich selbst zu diesen Themen gelesen habe englisch waren, dachte ich mir, ein deutscher Blog wäre eine gute Idee!
Irgendwie kam dann mit dem Umzug zurück in meine Heimat aber das Gefühl in mir auf, wieder „etwas Richtiges“ tun zu müssen. Etwas Vernünftiges, mit dem sich sicher Geld verdienen lässt. Ein Beruf, mit dem auch meine Eltern etwas anfangen können. Und da ich den Master in Klinischer Psychologie schon hatte, war die Psychotherapeutenausbildung der nächste logische Schritt.
Kurz zum Hintergrund dieser Ausbildung: Sie dauert etwa 3-5 Jahre und kostet etwa 30.000€ - inklusive 1.5 Jahren praktischer Tätigkeit in einer Klinik, die schlecht oder fast gar nicht bezahlt wird. Die „Sicherheit“ für die ich mich also entschieden hatte, bedeutete erst einmal große Kosten und für 350€ im Monat in einer Klinik als Psychologin zu arbeiten. ABER: ich sagte mir, ich müsste eben das langfristige Ziel vor Augen haben. Die Approbation, die es ermöglicht Psychotherapie mit den Krankenkassen abzurechnen. Hat man dann einen Kassensitz (der übrigens in den Städten auch nochmal ca. 80.000€ kostet), hat man die lebenslange Absicherung einer vollen Praxis und Bezahlung durch die Krankenkasse. Großartig!
Oder doch nicht? Ich hatte schon nach Abschluss meines Studiums große Zweifel daran, ob ich diese Ausbildung überhaupt machen möchte. Abgesehen von den großen Kosten, denen man sich stellen muss, wusste ich gar nicht genau, ob ich so überhaupt arbeiten wollte. Ich fand das Studium schon überwiegend anstrengend und habe mich schon währenddessen mehr für Yoga und alternative Heilmethoden interessiert, als für die Inhalte meiner Veranstaltungen. Das hat mich zeitweise sehr belastet, weil ich immer den Spagat zwischen Studium und meinen eigentlichen Interessen schaffen musste. Und häufig habe ich mich im Studium und in der Uni dann fremd und irgendwie fehl am Platz gefühlt.
Diesen Sommer, bevor ich die Ausbildung begonnen habe, wurden die Zweifel dann stärker. Eigentlich wollte ich gerne weiter mit Yoga arbeiten, vielleicht den Blog ausbauen, mit Frauen arbeiten und außerdem auch gut zum mir selbst sein. Aber auch meine Angst vor der Selbstständigkeit war ziemlich groß. In Berlin war ich als Yogalehrerin in einem großen Studio angestellt. Von Selbstständigkeit hatte ich keine Ahnung – und womit sollte ich überhaupt Geld verdienen? Mit dem Blog habe ich so direkt bisher kein Geld verdient, nur als Yogalehrerin arbeiten wollte ich auch nicht und in Köln musste ich sowieso noch einmal ganz neu anfangen. Also fing ich (mit Bauchschmerzen) die Ausbildung an.
Und fühlte mich wieder wie im Studium. Irgendwie falsch. Die Inhalte waren mir größtenteils ja schon aus dem Studium bekannt und mein Interesse daran hatte sich auch nicht wesentlich geändert. Immer noch wollte ich mich eigentlich lieber mit anderen Themen beschäftigen.
Und in der Klinik war es ähnlich. Ich wollte schon immer gern mit Menschen arbeiten, aber das Kliniksetting gefällt mir dafür einfach nicht. Ich mag es nicht, Menschen eine „Störung“ zu diagnostizieren, Menschen zu bewerten und in Kategorien zu stecken. Ich möchte auf wertschätzende Art und Weise mit Menschen arbeiten. Und für 350€ im Monat zu arbeiten ist auch nicht wirklich lukrativ.
Und leider ließ die Arbeit in der Klinik und die Theorieseminare nicht mehr viel Zeit für Yoga – sowohl meine eigene Praxis als auch das Unterrichten. Und auch keine Zeit mehr für den Blog. Ich musste meine eigentlichen Interessen einschränken – für etwas das ich nicht gerne tat. Das konnte doch nicht richtig sein? Und was für eine Yogalehrerin (und auch Therapeutin) konnte ich überhaupt sein, wenn ich mich selber mit Dingen quälte, die ich eigentlich nicht machen wollte. In Yogaklassen über Herzöffnung und der inneren Stimme zu folgen sprechen und mich andererseits selbst einschränken und klein machen – das fühlte sich einfach nicht authentisch an. Ich wurde immer unzufriedener. Meine Haut – ich habe schon seit der Kindheit Neurodermitis – wurde schlechter und ich unglücklicher.
Das kannte ich schon aus dem Studium. Aber diesmal fragte ich mich zunehmend: Muss das sein? Ist das wirklich notwendig? Und vor allem: Ist das wirklich das was ich will?
Die Antwort ist: NEIN.
Um an diesen Punkt zu kommen, habe ich noch etwas gebraucht. Gespräche, viel Journaling um meine eigenen Gedanken zu ordnen, viele Zweifel, viel Angst. Aber an einem Morgen vor ein paar Wochen bin ich aufgewacht und auf einmal war mir klar, was ich eigentlich schon lange wusste.
Ich will meinen eigenen Weg gehen, meinem Herzen folgen, meinen Träumen, meinen Wünschen. Ich will mich mit Dingen beschäftigen, die mich wirklich interessieren. Meine Energie in Dinge investieren, an die ich glaube. Ich will mutig sein und mich meinem Ängsten stellen. Ich will daran glauben, dass meine Intuition richtig ist und ich mit meinem eigenen Weg, meiner eigenen Art zu arbeiten, Erfolg haben werde. Und auch Geld verdienen kann. Daran, Dass das ein „richtiger“ Beruf ist.
Deshalb habe ich gekündigt. Und mache mich selbstständig. Als Yogalehrerin, als Bloggerin, als Coach, als Psychologin.
Das Thema ist immer noch angstbesetzt. Klar – ich weiß immer noch nicht, was daraus wird. Was passieren wird. Muss mich in alle Details der Selbstständigkeit einarbeiten. Neue Möglichkeiten Geld zu verdienen kennenlernen. Aber ich lasse mich von meiner Angst nicht mehr einschränken. Mut bedeutet, trotz Angst zu handeln – nicht, keine Angst mehr zu haben.
Und das schöne ist: Seitdem ich die Entscheidung getroffen habe, bekomme ich immer wieder neue Anfragen für Zusammenarbeiten, Kooperationen; als Yogalehrerin, als Bloggerin. Es ist, als hätte das Leben nur darauf gewartet, dass ich mich entscheide. Ich bin dankbar dafür und offen für neue Anfragen und Arbeitsfelder.
Ich bin gespannt was kommt und offen für alles. Auf jeden Fall habe ich jetzt das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.
Du willst auch kündigen? Oder doch nicht? Oder stehst einfach vor einer großen Entscheidung? Hier sind ein paar Tipps, die mir geholfen haben, meine Entscheidung zu treffen:
Journaling: Ich schreibe jeden Morgen Tagebuch. 15-20 Minuten. Alles was mir in den Kopf kommt, ohne zu bewerten, ohne zu kaschieren, ohne dich zu begrenzen. Lasse alles raus, was raus will. Und interessanterweise waren meine Gedanken danach meist viel sortierter und klarer. Laut meinen Tagebucheinträgen habe ich mich schon vor Monaten entschieden – ich war nur noch nicht so weit, es laut auszusprechen.
Reden: Mit Freunden sprechen hilft. Wenn du deine Gedanken anderen erklärst, wird für dich selbst auch oft klarer, was dir da eigentlich so durch den Kopf geht. Auch hier habe ich schon letzten Sommer die Rückmeldung bekommen, dass ich mich schon entschieden hätte. Wichtig: sprich mit wertschätzenden und unterstützenden Menschen.
Vorbilder: Frag dich, wenn du bewunderst und wer deine Vorbilder sind. Mach eine Liste mit 5 Personen, die dich inspirieren und warum. Sei genau und ausführlich: Was findest du gut an ihnen? Welche Eigenschaft beeindruckt dich besonders?
Träume: Erlaube dir wieder zu träumen! Schreib dir auf oder male dir auf, wie du arbeiten möchtest. Im Sinne von: „Ich wünsche mir, selbstbestimmt zu arbeiten. Ich wünsche mir, selbst entscheiden zu können, wann, wie viel, wo und mit wem ich arbeite. Ich wünsche mir...“. Fang im Großen an und werde dann spezifischer. Wie soll dein Arbeitsplatz aussehen? Mit was für Themen, was für Menschen möchtest du arbeiten?
Experten: Frag Menschen, die vielleicht einen ähnlichen Weg schon gegangen sind. Die in dem Beruf arbeiten, den du gerne ausüben willst. Die bereits selbstständig sind. Die sich einfach gut auskennen mit dem Bereich, der dich interessiert. Trau dich – frag nach. Das macht vieles einfacher, dass die alleine wahnsinnig kompliziert erscheint.
Beratung: Sammle Informationen zu dem Weg, den du gehen willst. Zu der Ausbildung, die du vielleicht machen willst, zu dem Studium, zu dem Berufsfeld, zur Selbstständigkeit. Die Industrie- und Handelskammer in Köln bietet z.B. einen Gründungskompass an (gratis, Anmeldung erforderlich). Such dir alle Informationen die du brauchst, um loslegen zu können.
Hab Vertrauen! Wenn du etwas wirklich willst, dann hat das seinen Grund. Vertraue deiner Intuition und dem Leben.
Ich freue mich über Kommentare hier oder auf Instagram zu deinen eigenen Erfahrungen mit diesem Thema!
Bis bald!
Love
Helen