Sattvisches Kürbis Curry
Dieses Curry ist tatsächlich einer der Gründe, weshalb ich mich jedes Jahr freue, dass der Herbst beginnt. Ich liebe Kürbis in allen möglichen Variationen, aber dieses Curry mag ich besonders gern. Es ist ein abgewandeltes Rezept von einem Kürbis Curry, das ich in Indien ein paar Mal gegessen habe. Ich habe dort einen Monat in einem Ashram gelebt und auch in der Küche geholfen. So habe ich einen Einblick in die indische Küche gewinnen können und gerade meine Art mit Gewürzen zu kochen ist davon sehr inspiriert.
In dem Ashram wurde sattvisch gekocht, das bedeutet, fast alle Gerichte waren vegan, alle vegetarisch, aus frischen und saisonalen, in der Gegend wachsenden, Obst und Gemüsearten. Alle Gerichten wurde für jede Mahlzeit frisch zubereitet, da nach Ayurveda Lehre wieder erwärmte Gerichte einen Teil ihrer Energie oder Prana verloren haben. Natürlich gab es weder Alkohol noch Kaffee und er wurde zudem auf scharfe Gewürze, Zwiebeln und Knoblauch verzichtet, da auch diese stark anregende Eigenschaften besitzen.
Ich habe in dem Ashram viel über Achtsames Essen gelernt – auch wenn es dort nicht als solches bezeichnet wurde. Jede Mahlzeit wurde schweigend eingenommen. Wir saßen zwar zusammen, aber miteinander reden sollten wir nicht. Zusätzlich bedeutete Schweigen aber auch, nicht zu lesen oder Musik zu hören oder sich anderweitig abzulenken, sondern sich tatsächlich nur auf das Essen zu konzentrieren.
In meiner Zeit in dem Ashram ist mir bewusst geworden, wie schwierig es sein kann zu schweigen. Teil des Teacher Trainings, das ich dort absolviert habe, war es auch drei ganze Tage schweigend zu verbringen. Jeder durfte den Zeitpunkt seines Schweigens selbst bestimmen, sodass nie alle gemeinsam schwiegen. Für alle war es eine Herausforderung. Zu schweigen, bedeutet auch, sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen. Wenn wir nicht sprechen können bzw. nicht mit anderen kommunizieren können, ist da nichts mehr, dass uns von uns selbst ablenkt. Wir sind auf einmal mit unseren Gedanken konfrontiert und können sie nicht an andere abgeben und uns so Erleichterung verschaffen. Wir müssen die Ruhe du die Stille aushalten lernen. Wir sind es häufig gewöhnt, ständig durch externe Reize stimuliert zu werden und auf diese zu reagieren. Wenn wir das nicht tun, bleibt nichts, als sich mit unserem Innenleben auseinanderzusetzen.
Gleichzeitig ist es auch eine Gelegenheit sich selbst näher zu kommen. Obwohl ich zwischendurch dachte, dass ich es nicht aushalten würde, so lange zu schweigen und ich gerne abgebrochen hätte, fand ich es am Ende doch eine gute Erfahrung.
Das Schweigen während der Mahlzeiten fand ich allerdings immer schön. Sich ganz auf das Essen und die Geschmäcker zu konzentrieren, macht das Essen zu einer intensiveren Erfahrung. Im normalen Alltag wird Essen häufig etwas, das nebenher passiert. Ich merke das vor allem, wenn ich viel zu tun habe. Dann fühlt es sich einfach effizienter an, während dem Essen noch etwas anderes zu erledigen. Tatsächlich kann Die Zeit, die man sich zum Essen nimmt, gut sein, um ein bisschen zur Ruhe zu kommen - zu sich selbst zu kommen. Fast wie eine Meditationspraxis. Jeden Bissen genießen und den Körper und Geist beobachten.
Um wieder auf das Rezept zurück zu kommen: Dieses Kürbis Curry war eines meiner liebsten Gerichte in dem Ashram. Ich habe das Rezept ein bisschen angepasst und es schmeckt sicher nicht genauso wie aus der Ashram Küche, aber es hat auf jeden Fall ähnliche Qualitäten – es ist cremig durch den weichgekochten Kürbis und die Kokosmilch und würzig durch verschiedene Gewürze, die in Öl geröstet werden.
SATTVISCHES KÜRBIS CURRY
2 Portionen
1 Hokkaido Kürbis
2-3 Möhren
200g Tomaten (frisch oder aus der Flasche)
2cm frischer Ingwer, gerieben
1 Tl Kurkuma
1 Tl Kreuzkümmelsamen
1 Tl Koriandersamen
1/2 Tl Fenchelsamen
1 Lorbeerblatt
1 Stück Zimtrinde oder eine Prise Zimtpulver
1 El Kokosöl
Salz
200ml Kokosmilch
Wasser
Zitrone
Frischer Koriander
Teil den Kürbis in 2 Hälften, entferne die Kerne und schneide den Kürbis in kleine Stücke. Dann zerkleinere die Möhren - ich schneide sie meist einfach in Scheiben.
Bring das Kokosöl zum Schmelzen und röste alle Gewürze (bis auf Salz) bei mittlerer Hitze, bis sie anfangen zu duften. Sei vorsichtig, sie verbrennen relativ schnell. Dann gib Kürbis, Möhren und Tomaten dazu und röste sie ein paar Minuten. Jetzt kannst du das Gemüse auch salzen. Wenn du möchtest, kannst du auch ein Korianderstiele dazu geben, auch das schmeckt sehr gut. Gib Wasser dazu, sodass das Gemüse gerade so bedeckt ist und lass es kochen, bis der Kürbis weich ist und anfängt zu zerfallen. Dann gib die Kokosmilch dazu und lass das Curry weiter köcheln. Ich mag das Curry sehr dickflüssig, du kannst aber auch etwas mehr Wasser dazu geben. Entferne das Lorbeerblatt und die Zimtrinde. Gib als letztes Zitronensaft in die Suppe (am besten danach nicht mehr kochen).
Teil das Curry auf und gib frische Koriander darüber. Dazu passt sehr gut Basmati Reis, aber auch Sauerteigbrot oder im Ofen gebackenen Süßkartoffel ist sehr lecker.
Guten Appetit!